Neue Westfälische (Bielefeld)Kommentar Griechenland-Hilfspaket Kaum Grund zum Jubeln SABINE BRENDEL, BRÜSSEL
Bielefeld (ots) - Das zweite milliardenschwere Rettungspaket für Griechenland ist geschnürt. Aber ob es dem pleitebedrohten Staat wirklich den Weg ebnet in eine finanziell stabilere Zukunft, ist äußerst fraglich. Das hoch verschuldete Griechenland hat längst nicht nur Geldprobleme, die man mit Notkrediten leicht lösen könnte. Dem griechischen Staat fehlen funktionierende Verwaltungsstrukturen und eine vielfältige Unternehmenslandschaft. Das ist nicht mal eben schnell mit Geld zu ändern. Es bedarf außerdem jahrelanger (Aufbau-)Arbeit und viel Expertenwissens, um ein stabiles Staats- und Wirtschaftsgerüst zu errichten. Momentan ist Griechenland auf einem schmerzhaften, von seinen Notkredit-Gebern auferlegtem Sparkurs. Auch ein Staat kann nicht über seine Verhältnisse leben, das ist vielen Bürgern in Griechenland und anderswo klar. Konsequenterweise muss Griechenland seine Staatsfinanzen weiter sanieren, auch um neue Hilfen zu erhalten. Doch Sparen allein reicht längst nicht. Das ist den Europäern klar, die ja seit Monaten sehen, wie Griechenlands Wirtschaftsleistung ungeachtet aller zuversichtlichen Prognosen immer weiter abnimmt. Und jede Schuldenanalyse, die die EU, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds gemeinsam (IWF) erstellen, zeigt ungeschönt: Auf die Griechen und die Europäer warten noch viele Jahre, sogar Jahrzehnte harte Arbeit. Sie müssen nun, da das zweite Hilfspaket Griechenland die dringend benötigte Luft verschafft, gemeinsam mit den Griechen alles daran setzen, die Wirtschaft zu beflügeln. Erst das wäre ein Grund zum Jubeln. Und erst das würde einen wichtigen Teil dazu beitragen, dass das ehrgeizige zweite Hilfspaket auch langfristig die Dinge in Griechenland zum Besseren wendet. Die Griechen hätten das jedenfalls verdient.
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(Redaktion)
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