WestfalenpostKommentar zu Gauck/Privat/Familie/wilde Ehe/Partnerschaft/Gespielte Empörung/Diskussion über Gaucks Privatleben/Von Martin Korte
Hagen (ots) - Ja, es gibt ein Foto, das den zukünftigen Bundespräsidenten lächelnd zwischen dem umstrittenen Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer und seiner Lebensgefährtin Veronica Ferres zeigt. Ja, Joachim Gauck hat sich seinerzeit über Thilo Sarrazins krude Integrations-Thesen geäußert, vielleicht ohne sich deutlich genug von ihnen zu distanzieren. Und ja, der Mann lebt seit zwölf Jahren in wilder Ehe. Ein Skandal? So ein Quatsch! Gauck ist noch nicht im Amt - er ist noch nicht einmal gewählt -, schon steht er am öffentlichen Pranger. Heuchler aus Politik (und Medien) überschütten den Kandidaten mit gespielter Empörung. Vor Jahren ausgesprochene Zitate werden aus dem Zusammenhang gerissen, sein Privatleben wird ins Rampenlicht gezerrt, das Internet verkauft Einzelmeinungen als Nachrichten, ohne dass sie einer Überprüfung unterzogen werden, weil der nächste Blogger, der nächste Twitterer und der übernächste Onliner bereits die neueste "Meldung" in die Welt blasen müssen. Tempo vernichtet Sorgfalt. Die Medien sind nicht über alle Kritik erhaben. Sie haben gerade erst damit begonnen, ihre Rolle in der "Affäre Wulff" zu analysieren. Nicht alle Vorwürfe im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den ehemaligen Präsidenten sind unberechtigt, obwohl die "vierte Gewalt" unter dem Strich ihre Aufgabe erfüllt hat. Zurückhaltung ist nun das Gebot der Stunde. Von einigen Politikern können wir diese Tugend leider nicht erwarten. Gauck solle sein Privatleben ordnen, damit "keine Angriffsfläche" geboten werde, sagt CSU-Mann Geis - und schafft damit eben diese. Joachim Gauck wird Bundespräsident. Am 18. März. Lasst den Mann in Ruhe sein neues Amt antreten!
Orginal-Meldung: http://www.presseportal.de/pm/58966/2202604/westfalenpost-kommentar-zu-gauck-privat-familie-wilde-ehe-partnerschaft-gespielte-empoerung/api
(Redaktion)
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